Das Job- und Karriereportal für WiWis

powered by

Frauen im Consulting: Nutzt eure Stärken und baut diese weiter aus!

Dr. Sabrina Graf
Inhaltsverzeichnis
Sabrina Graf ist Unternehmensberaterin bei Horváth. Im Interview berichtet sie über den Einstieg in ihre mittlerweile elfjährige Consulting-Karriere, gewährt Einblicke in ihre berufliche Laufbahn, spricht über Frauenförderung und erläutert die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf.

Karriere in der Beratung: „Es ist wichtig, Rollenbilder aufzubrechen“

Sabrina, wie ist dein bisheriger Karriereweg verlaufen?

Ich habe Betriebswirtschaftslehre an der Ohio Valley University und der Uni Bayreuth studiert. Über ein Praktikum bin ich dann zu Horváth gekommen – eine internationalen Managementberatung, bei der ich seit mittlerweile mehr als 11 Jahren arbeite.

Parallel habe ich an der Uni Stuttgart promoviert. Inzwischen leite ich das Business Segment Reporting & Konsolidierung bei Horváth und begleite meine Kunden bei großen Transformationen im gesamten CFO-Bereich. Vor allem der digitale Wandel ist dabei immer wichtiger geworden.

Glücklicherweise lässt sich mein Beruf auch gut mit meinem Privatleben kombinieren. Neben meinem spannenden Job habe ich eine wunderbare Familie und viele Hobbys. Sport ist für mich ein sehr wichtiger Ausgleich zur Arbeit. Wenn ich in Ruhe nachdenken möchte, gehe ich eine Runde joggen. Anschließend habe ich meistens eine kreative Lösung für mein Problem gefunden.

Warum hast du dich für die Unternehmensberatung entschieden?

Nach meinem Studium war ich neugierig auf das Thema Beratung und wollte das Consulting-Umfeld durch ein Praktikum unverbindlich kennenlernen. Mein Plan war eigentlich, danach in der Industrie einzusteigen, weil ich dort zuvor mehrere Praktika absolviert hatte. Dann entschied ich mich zunächst, maximal drei Jahre in der Beratung zu arbeiten, da sich dies gut im Lebenslauf macht.

Aber mittlerweile kann ich sagen, dass es etwas Langfristiges geworden ist. Ich war und bin fasziniert von der Abwechslung, dem kollegialen und extrem kompetenten Umfeld – und als Sportlerin natürlich von den ständig neuen Herausforderungen, die die unterschiedlichen Projekte und Kunden mit sich bringen. Diese Aspekte haben mich vor elf Jahren schon gereizt und begeistern mich bis heute.

Wie bist du auf Horváth aufmerksam geworden und wie verlief dein Einstieg?

Von Horváth habe ich zum ersten Mal in einer WiWi-Zeitschrift gelesen und dachte spontan, dass das Unternehmen für meinen unverbindlichen Versuch im Praktikum ganz gut passen könnte. Im Laufe des Bewerbungsprozesses habe ich dann gemerkt, dass der Spirit dort etwas ganz Besonderes ist.

Als Studentin hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon einige Vorstellungsgespräche für frühere Praktika und Werkstudententätigkeiten geführt. Das Gespräch bei Horváth war aber anders: fair, freundschaftlich, professionell strukturiert und auf Augenhöhe.

Der Einstieg war super vorbereitet. Mein Mentor hat mich bereits vor Start des Praktikums angerufen und mir meine erste Woche erläutert. Vom ersten Tag an war ich voll dabei und durfte Verantwortung übernehmen.

Auch heute schätze ich vor allem die freundschaftliche Kultur, die wenig hierarchisch geprägt ist. Aus einigen Kollegen sind über die Jahre sehr gute Freunde geworden.

Welche Tipps kannst du für einen Einstieg im Consulting geben?

Für die ersten Jahre empfehle ich, viele Themen und Branchen auszuprobieren. Das funktioniert direkt nach dem Einstieg am besten. In dieser Zeit merkt man, was einem gefällt und worauf man später einen Fokus setzen möchte.

In meiner Anfangszeit bei Horváth habe ich zum Beispiel Strategieprojekte, Organisationsentwicklung und Controllingprojekte im öffentlichen Sektor begleitet. Es war sehr spannend, bei Projekten dabei zu sein, die auch in der Presse präsent waren, wie etwa Exzellenzinitiativen an Universitäten oder die Einführung der LKW-Maut.

In dieser Zeit ist mir aber auch klar geworden, dass ich mich am liebsten mit Fragestellungen im Controlling- und Finanzbereich beschäftige. So bin ich weg von der Branche und hin zu einem klaren Themenfokus gekommen.

Mittlerweile kann ich sagen, dass ich Controlling- und Finanzprojekte vom Kernkraftwerk bis zum Schmuckhersteller begleitet habe.

Wenn man sich für einen Einstieg in die Beratung interessiert, sollte man sich aber auch über den typischen Alltag eines Consultants bewusst sein. In der Regel hat man keinen 9-to-5-Job und ist viel unterwegs.

Wichtig sind zudem Offenheit, Neugier gegenüber neuen Themen und die Fähigkeit, sich auch in kurzer Zeit in komplexe Fragestellungen einzuarbeiten.

Du hast parallel zum Beruf promoviert. Warum hast du dich dafür entschieden – und würdest du es wieder tun?

Mit einer Promotion hatte ich mich schon während meines Studiums beschäftigt. Im Arbeitsalltag kam der Wunsch, mich etwas tiefer in die Materie einzugraben, erneut auf. Mir war es wichtig, mich intensiv in ein Thema einarbeiten und die Themen in Ruhe zu Ende denken zu können. Ich bin aber froh, damit erst ein paar Jahre später mit Berufserfahrung im Gepäck gestartet zu haben.

Auf unseren Projekten ist es essenziell, pragmatisch und nicht wissenschaftlich an die Themen heranzugehen. Das hat mir bei der Strukturierung der wissenschaftlichen Arbeit und der Disziplin geholfen. So konnte ich das Projekt auch nach recht kurzer Zeit, d.h. in unter drei Jahren, abschließen.
Und: Ich würde es auf jeden Fall wieder machen.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei Horváth alles möglich ist. Wir sind groß genug, um eine Vielzahl an Themen, Arbeitsmodellen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Wir sind aber auch nicht zu groß, sodass all diese Themen für die individuellen Bedürfnisse ausgearbeitet werden können – vom Sabbatical über parallele Selbstständigkeit, Masterstudium bis hin zu Teilzeitmodellen.

Ich selbst wurde beispielsweise bei meiner Promotion finanziell gefördert und hatte die Möglichkeit, zeitgleich weiterhin im Job zu bleiben. Hierzu habe ich eine Zeit lang lediglich drei Tage pro Woche für meine Projekte gearbeitet und die anderen beiden Tage an meiner Promotion.

Andere KollegInnen machen das lieber am Stück und nehmen sich dann immer wieder ein paar Monate für ihr individuelles Vorhaben frei. Bei Horváth kann man sich das nach den eigenen Bedürfnissen zusammenstellen.

Du hast das Netzwerk Women@Horváth mitbegründet, was ist das konkret und welche Ziele habt ihr?

Unser firmeninternes Netzwerk Women@Horváth hat das Ziel, Austausch, Vernetzung und Weiterentwicklung von Frauen zu fördern. Aus meiner Sicht ist es wichtig, Rollenbilder – vor allem in der Beratung – aufzubrechen.

Das bedeutet z.B. mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen oder die Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben zu verbessern. Das Thema der Vereinbarkeit ist für mich dabei in keiner Weise ein reines „Frauenthema“, auch männliche Kollegen haben Familie oder engagieren sich bei Care-Tätigkeiten.

Neben unserem internen Netzwerk organisieren wir seit ein paar Jahren auch Veranstaltungen für Frauen außerhalb von Horváth, wie etwa unsere eigene F.A.M.E.-Reihe. F.A.M.E., also Females as Management Entrepreneurs, steht bei uns für Frauen mit Unternehmergeist, die Karriere in der Managementberatung machen oder machen möchten – und genau diese Frauen führen wir zusammen.

Dabei stehen persönliche Erfahrungen rund um den Beratungsalltag, Einstiegs- und Karrierewege sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Mittelpunkt.

Kann man den Consultingjob überhaupt mit Familie vereinbaren? Wie funktioniert der Wiedereinstieg nach der Elternzeit?

Ja, das lässt sich auf jeden Fall vereinbaren. Ich habe zwei Töchter, habe mir jeweils die Elternzeit 50:50 mit meinem Mann geteilt und war dadurch nach kurzer Zeit wieder Vollzeit im Job zurück. Auch wenn uns beim ersten Kind viele Leute aus unserem Umfeld gesagt haben, dass es nicht gehen wird, können wir mittlerweile selbstbewusst sagen: doch, das geht!

Vor Ausbruch der Corona-Pandemie habe ich versucht, maximal drei Tage pro Woche zu reisen und zwei Tage in München zu arbeiten – das hat prima geklappt. Wie es in Zukunft aussieht, kann ich natürlich noch nicht sagen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Beratung generell besser wird.

Der Wiedereinstieg nach der Elternzeit war bei mir sehr unkompliziert. Das Gefühl vor dem ersten Pitch war wie damals in der Grundschule, wenn man sich nach den Sommerferien die Frage gestellt hat, ob man noch schreiben kann. Schon damals habe ich immer festgestellt: Ja – und beim Pitch ging es mir genauso.

Als ich in den Zug gestiegen bin, um zum Kunden zu fahren, war es, als wäre ich nie weg gewesen. Horváth bietet zudem eine Plattform, die den Wiedereinstieg erleichtert. Diese vernetzt uns Eltern untereinander, aber auch mit Dienstleistern. Zusätzlich werden Eltern regelmäßig über Neuigkeiten und Veränderungen während ihrer Abwesenheit informiert.

Gibt es spezielle Herausforderungen für Frauen in der Beratung?

Der Beratungsjob ist für Frauen und für Männer herausfordernd – fachlich stehen sie sich in nichts nach. Die Herausforderung ist eher, dass es immer noch deutlich mehr Männer in der Beratung gibt als Frauen – viele vermissen weibliche Vorbilder. Aber das wird sich in den nächsten Jahren sicherlich ändern. Wir bei Horváth arbeiten auf jeden Fall intensiv daran.

Hast du einen Ratschlag für ambitionierte junge Frauen, die eine Consulting-Karriere anstreben?

Ich bin davon überzeugt, dass man sich nicht verstellen sollte. Wenn man versucht, die eigenen Eigenschaften zu verstecken und andere zu imitieren, wird man immer einen Wettbewerbsnachteil haben.

Deshalb ist mein Rat an alle Frauen: Nutzt eure Stärken und baut diese weiter aus. Seid ihr selbst und glaubt an euch – dream big! Kommuniziert eure Erwartungen und fordert Dinge ein, die euch zustehen. Und zuletzt: Verfolgt eure Ziele beständig!

Horváth-Kurzprofil

Horváth ist eine international tätige, unabhängige Managementberatung. Unternehmenssteuerung und Performanceoptimierung sind die Schwerpunkte, in denen wir Experten sind. Unseren Erfolg verdanken wir unserer konsequenten Ausrichtung auf den Kunden und allem voran unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Werden Sie ein Teil von uns.

www.horvath-partners.com/successfully-together/

Der Artikel gefällt dir? Dann teile ihn doch gleich für deine Kontakte.
Facebook
Twitter
LinkedIn
XING
WhatsApp