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Keine Angst vor dem Assessment Center

Silke Hell
Inhaltsverzeichnis

Ihre letzte Klausur ist geschrieben, die Abschlussarbeit fertig und nun bewirbst du dich um deinen Traumjob? Dann wartet auf dich wahrscheinlich noch eine letzte Prüfung – das berühmt berüchtigte Assessment Center, das die meisten großen, aber inzwischen auch viele kleinere Unternehmen einsetzen, um nach den besten Nachwuchskräften zu suchen.

Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Unternehmenserfolge von Menschen abhängen, die neben ihren fachlichen Qualifikationen sozial und methodisch kompetent sind und eine hohe Leistungsmotivation aufweisen. Für eine erfolgreiche Berufskarriere genügt es nicht, nur eine hervorragende akademische Ausbildung zu haben.

Kompetenzen ermitteln, dank Assessment Center

Von künftigen Leistungsträgerinnen und -trägern wird weit mehr verlangt: Fachübergreifende Qualifikationen wie etwa kommunikative Voraussetzungen, analytisches Denkvermögen und strategisches Handeln sind entscheidend. Ebenso sind meist die Fähigkeit zur Strukturierung von Arbeitsprozessen, die Mitarbeiterführung und -motivation sowie das Informationsmanagement von Bedeutung.

Diese überfachlichen Kompetenzen lassen sich durch gängige Personalauswahlverfahren wie Vorstellungsgespräche oder psychologische Testverfahren nicht hinreichend überprüfen. Aus diesem Grund entscheiden sich heutzutage immer mehr Unternehmen aus inzwischen fast allen Branchen bei der Auswahl ihrer künftigen Fach- und Führungskräfte für das deutlich aufwendigere Assessment-Center-Verfahren.

Dieses ermöglicht durch praxisnahe Aufgabenstellungen die Beurteilung insbesondere der „weichen“ Qualifikationen der teilnehmenden Kandidatinnen und Kandidaten. Mithilfe von Gruppen und Einzelsituationen, Rollenübungen, Präsentationen und Verhandlungsgesprächen werden individuelle Aufgaben und Situationen durchgespielt, die für die Zielposition typisch sind.

Hast du vielleicht sogar schon eine Einladung zu einem Assessment Center (oft auch Auswahltag, Bewerberworkshop, Recruitment-Workshop o. ä. genannt) bekommen? Dann kannst du dir gratulieren, denn dies ist in deinem Bewerbungsprozess schon ein großer Erfolg. Du hast es geschafft, deinen potenziellen Arbeitgeber von deinen beruflichen Qualitäten und deiner Eignung für die ausgeschriebene Stelle zu überzeugen.

Jetzt kommt es darauf an, dass du dich auf das anstehende Verfahren gut vorbereitest – sowohl inhaltlich als auch mental. Dabei stellt sich natürlich die Frage: Was kommt auf mich zu?

Sieh die Einladung zum Assessment Center als Auszeichnung und nimm die Herausforderung zuversichtlich an!

Auch wenn du vielleicht gehört hast, Assessment Center seien „harte“ Auswahlverfahren, bei denen man unter Druck gesetzt und dabei psychologisch durchleuchtet werde – die Realität ist im Regelfall jedoch weder bedrohlich noch besonders geheimnisvoll.

Was genau ist ein Assessment Center?

Hinter diesem Begriff verbergen sich verschiedene Varianten verhaltensorientierter Personalauswahl- und Bewertungsverfahren, die von der Simulation erfolgskritischer beruflicher Situationen leben.  Obwohl es das eine Standard-Assessment-Center nicht gibt und das Spektrum an möglichen Aufgaben ziemlich groß ist, gibt es viele Parallelen zwischen den Verfahren unterschiedlicher Organisationen.

Typischerweise handelt es sich um ein ein- oder zweitägiges Personalauswahlverfahren, bei dem (meist) mehrere Kandidaten sowohl einzeln als auch gemeinsam über einen längeren Zeitraum von mehreren Personen in verschiedenen möglichst arbeits- und anforderungstypischen Situationen beobachtet und beurteilt werden. Diese Beurteilung erfolgt anhand genau definierter Kriterien im Hinblick auf die Eignung für die jeweilige berufliche Position.

Vorab legt das Unternehmen die erfolgsentscheidenden Kriterien für diese Position fest (z. B. Verhandlungsgeschick, analytisches Denkvermögen, Führungskompetenz) und wählt möglichst anforderungsnahe Übungen und Aufgaben aus, in denen sich die genannten Kriterien gut abzeichnen.

Ist ein Assessment Center gut konstruiert, dann gehört es zu den besten Personalauswahlverfahren, die es derzeit gibt. Es besitzt eine gute Vorhersagekraft für künftigen Berufserfolg und wird im Allgemeinen auch von den teilnehmenden Bewerberinnen und Bewerbern positiv bewertet.

Absolventenumfragen zufolge erhöht ein qualitativ hochwertiges Assessment Center sogar das Image eines Unternehmens, da es als faires und wertschätzendes Auswahlverfahren gilt.

Was sind die Inhalte bei einem Assessment Center?

Fast immer steht eine Präsentation auf dem Programm, eventuell mit visuellen Hilfsmitteln. Die Aufgabe besteht z. B. darin, den eigenen Lebensweg oder Ergebnisse einer Gruppenarbeit darzustellen und zu bewerten. Hier wird insbesondere auf deinen Ausdruck und deine Systematik Wert gelegt.

Im Rollenspiel sollen sich die Kandidatinnen und Kandidaten beispielsweise in Verhandlungssituationen oder Führungsgesprächen bewähren. Beobachtet werden hier in der Regel Qualifikationen wie logische Argumentation, Kooperation und Führungsverhalten.

In der typischen Übung „Gruppendiskussion“ lautet die Vorgabe meist, ein bestimmtes Thema zu diskutieren. Dabei kommt es vor allem auf die Art und Weise an, wie diskutiert wird: Wer setzt sich wie und mit welchen Argumenten durch, wer schlüpft in eine Moderations- oder Führungsrolle oder ist besonders konstruktiv im Hinblick auf eine gemeinsame Lösung?

Strukturierte Einzelgespräche, Case Studies und psychologische Testverfahren runden das Bild im Allgemeinen ab. Es gibt zwar einige Grundsätze, aber keinen immer gültigen Regelkatalog, welches Verhalten für eine positive Bewertung ideal ist, denn verschiedenartige Positionen erfordern unterschiedliche Wunschkandidatinnen und -kandidaten.

Es ist also beispielsweise nicht empfehlenswert, als zurückhaltender Mensch den Draufgänger zu mimen, wenn vielleicht eine ruhige, besonnene und analytisch starke Person gesucht wird. (Davon abgesehen wäre ein solcher Versuch angesichts der psychologisch geschulten Beobachterinnen und Beobachter nur schwer dauerhaft durchzuhalten.)

Kenne deine Kompetenzen

Im Bewerbungsprozess hast du dich sicherlich bereits mit deinen Kompetenzen und Motiven auseinandergesetzt und hast ausgearbeitet, wie du dich selbst überzeugend präsentieren kannst. Dies ist die wichtigste Basis für ein erfolgreiches Bestehen eines Assessment Centers.

Mach dich mit den typischen Übungen und Aufgabenformen vertraut. Dafür eignen sich neben einer Vielzahl von Vorbereitungsbüchern auch Vorbereitungsseminare, die z. B. an den meisten Universitäten angeboten werden und in denen Feedback, die Vermittlung Erfolg versprechender Lösungsstrategien und individuelles Verhaltenstraining zum Einsatz kommen sollten.

Dein Ziel dabei sollte es sein, eventuell fehlende Handlungskompetenz, die du für die Zielposition benötigst, aufzubauen oder bereits vorhandene Verhaltensstrategien mit dem Thema „Assessment-Center“ so zu verknüpfen, dass sie in dieser Prüfungssituation abrufbar sind.

Wenn du die Gelegenheit hast, an einem Assessment Center teilzunehmen, nutze diese unbedingt. Selbst wenn du nicht als künftige Mitarbeiterin oder künftiger Mitarbeiter ausgewählt werden solltest, sieh deine Teilnahme als wertvolle Erfahrung und hilfreiche Übung für Beurteilungssituationen in der Zukunft, die mit Sicherheit auch in deinem weiteren Berufsleben immer wieder auf dich zukommen werden.

Literaturhinweise

Hell, S. (2018): Assessment Center. Souverän agieren – gekonnt überzeugen. München: Beck-Wirtschaftsberater im dtv (4. Auflage).

Hell, S. (2010): Das Vorstellungsgespräch. Die besten Strategien, die schlagkräftigsten Argumente: So überzeugen Sie Ihren neuen Arbeitgeber. München: Beck-Wirtschaftsberater im dtv.

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