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Das etwas andere Praktikum

Nadia Riedl
Inhaltsverzeichnis

4 Monate Beratung, 2 Monate Burkina Faso

5. Semester TUM-BWL, noch kein Praktikum gemacht und Auslandserfahrung während des Studiums fehlt. Was jetzt? Optimal wäre eine Kombination aus beidem: ein Praktikum mit Auslandserfahrung. Ich wollte eine neue Kultur kennen lernen – und ich spreche nicht nur von der Unternehmenskultur.

Während meines Projektstudiums an der Technischen Universität München habe ich die Boutique Strategie Beratung „Stern Stewart & Co.“ (SSCO) kennengelernt. Diese bietet mehr als ein „normales“ Praktikum.

Das Programm „Two Worlds One Job – Entrepreneurship Live“ ermöglicht es einem, nicht nur die Welt eines Strategieberaters zu erleben, sondern auch an einem der unternehmerischen Projekte in Westafrika mitzuwirken. Dadurch hat man die Möglichkeit, unternehmerische Verantwortung im Rahmen einer praktischen Erfahrung tatsächlich zu tragen und auf diesem Wege zu begreifen.

Während des ersten Teils „Management Beratung“ ist man für mindestens zehn Wochen Vollzeitmitglied eines Projektteams, wobei man an seinen eigenen Teilprojekten unter der Anleitung erfahrener Kollegen arbeitet.

Im zweiten Teil „Afrika“ reist man für mindestens vier Wochen nach Burkina Faso oder Ghana. Diese Erfahrung bot mir die perfekte Balance zwischen unternehmerisch wertvollen Einblicken und der persönlichen Weiterbildung auf kultureller und zwischenmenschlicher Ebene.

Beratung in München

Beratung war zwar kein prioritärer Bestandteil meiner unternehmerischen Interessen, aber dennoch wollte ich diese Erfahrung gemacht haben. Das besagte Praktikum erschien mir insoweit als geeignete Möglichkeit. Die Kombination mit einem zweimonatigen Aufenthalt in Burkina Faso überzeugte mich schließlich vollkommen, diese Herausforderung anzunehmen.

Nach erfolgreichen Bewerbungsrunden startete ich mein Praktikum im September 2018. Als der Beginn meines Praktikums nahte, nahm die Aufregung stetig zu. Zuvor war ich noch nie in einer Beratung tätig gewesen und hatte somit keine Ahnung, was mich erwarten wird.

Als ich am ersten Tag im Büro ankam, wurde ich sofort herzlich von der HR-Verantwortlichen in Empfang genommen. Nach einer kurzen Führung durch das Office, bekam ich meinen Laptop und mit diesem eine Einführung in das Portal der Firma. Nach einem kurzen Begrüßungslunch mit dem Managing Partner und dem Team ging es auch direkt los mit der Arbeit – nichts da „Einführungstag“.

Da in der Beratung der Altersdurchschnitt ohnehin relativ niedrig ist und man sofort viel Verantwortung zugewiesen bekommt, wird auch von den Praktikanten voller Einsatz erwartet. Natürlich besteht Verständnis dafür, dass man sich noch in die Thematik einarbeiten muss und als Praktikant generell sehr wenig bis keine Berufserfahrung haben kann.

Dennoch wird ein schneller Lernerfolg vorausgesetzt. Dies kann einen anfangs etwas überfordern, aber Du wirst schnell lernen, mit dem Druck und der Verantwortung umzugehen. In diesem Zusammenhang ist eine offene Kommunikation mit den Ansprechpartnern äußerst wichtig.

Das lässt nicht jede Firmenkultur zu – SSCO jedoch vollkommen, was mir von Anfang an sehr gut gefallen hat. Bevor man stundenlang unschlüssig ist und letztlich sogar einen falschen Ansatz verfolgt, ist es sinnvoller, direkt nachzufragen.

Das ist auch kein Zeichen von Schwäche, sondern ­ ganz im Gegenteil ­ Ausdruck der Bereitschaft für effizientes Arbeiten und einen schnellen Lernprozess. Das spart Dir und Deinen Teamkollegen Zeit und Nerven.

Die Lernerfolge sind wahrscheinlich das Attraktivste an der Beratung ­ nicht das ständige Reisen und Hotelleben. Gerade anfangs ist die Lernkurve extrem steil und jeder Tag bietet Einblicke in neue spannende Themen.

Dennoch muss ich sagen, dass die Umstellung vom Studentenleben in den Arbeitsalltag nicht immer einfach war. Besonders die Arbeitswoche war sehr verplant.

Da nie genau absehbar ist, wann man aus dem Büro kommt, habe ich am Ende meines Praktikums mehr Verabredungen abgesagt als wahrgenommen. Ich wurde des Öfteren gefragt, ob denn wirklich so viel zu tun sei, dass ich jeden Abend bis spät abends im Büro sitzen muss.

Meine Antwort lautet: meistens nein. Der Haken an der Thematik ist, dass man als Berater schlichtweg Dienstleister und somit abhängig vom Input des Kunden ist. Werden die nötigen Daten auf Kundenseite erst am Ende des Tages geliefert, muss der Berater diese dann im Laufe des Abends bis zum nächsten Tag abschließend bearbeitet haben.

Hinzu kommt die ganztägige Verwicklung in Termine. Wenn man beim Kunden vor Ort ist, kommt es oft vor, dass man von morgens bis abends in Terminen eingebunden ist und mit der Bearbeitung der Daten dann erst am Ende eines „normalen Arbeitstages“ beginnen kann.

Das Fazit meiner Zeit als Beraterin ist dennoch positiver Natur. Der Lerneffekt und die Wertschätzung für erbrachte Arbeit überwiegen den Abstrichen im Privatleben – zumindest ist dies meine Meinung nach der Zeit als Praktikantin.

Projekt in Koudougou, Burkina Faso

Trotz aufregender und intensiver Zeit als Beraterin war ich froh, dem kalten Winter in Deutschland zu entfliehen. Von allen Projekten, die Stern Stewart unterstützt, hatte mich das Projekt „Building an IT focused University in Burkina Faso – Burkina Institute of Technology (BIT)“ am meisten beeindruckt.

Das BIT ist eine Universität mit Fokus Entrepreneurship und IT. Ihr Hauptziel ist es, eine neue Generation von Führungskräften aufzubauen, indem sie den Studenten die notwendigen Fähigkeiten für den Abschluss eines Bachelor of Science vermittelt, der demjenigen ähnelt, den ich an der Technischen Universität München erworben habe.

Das Projekt hat mich durchgängig überzeugt, denn Bildung ist – meiner Meinung nach – der effektivste und nachhaltigste Weg zur Bekämpfung von Armut. Ich entschied mich also nach Koudougou, Burkina Faso zu gehen.

Natürlich hatte ich Respekt davor – neues Land, neue Sitten. Zudem ist die Sicherheitslage im Land äußerst kritisch. Alleine zwischen November 2018 und März 2019 starben fast 500 Menschen durch Terroranschläge. Trotz Widerstand meiner Eltern, welche sich verständlicherweise Sorgen machten, trat ich Mitte Januar meine Reise an.

Vollgepumpt mit Impfungen und meinem Burkina-Faso-Visum in der Tasche, kam ich nach zwölfstündiger Reise mit Zwischenstopp in Paris im warmen Ouagadougou, Hauptstadt von Burkina, an.

Ich wurde von dem Professor der Universität in Empfang genommen. Er hieß mich mit der „Warnung“ willkommen, dass ich mich nach zwei Monaten so sehr in das Land verliebt haben würde, dass ich anschließend nicht zurückkehren wollen werde – zum damaligen Zeitpunkt eher schwer vorstellbar.

Während meiner Zeit in Koudougou bin ich in einem Gästehaus untergekommen. Dies wurde von einer einheimischen Familie betrieben. Zwei junge Mädchen haben sich um den Haushalt gekümmert und gekocht – außerordentlich gut, muss man dazu sagen.

Jeden Tag wurde geputzt und trotz der sehr einfachen Verhältnisse fühlte ich mich wohl. In die Schule bin ich entweder selber mit einem Auto gefahren, was anfangs angesichts der ungeteerten Straßen eine große Herausforderung war, oder wurde von einem Fahrer abgeholt. Beides wurde von den Ansprechpartnern vor Ort des Institutes organisiert.

Mein Alltag bestand darin, morgens mit den anderen Gästen des Hauses zu frühstücken – meistens Baguette mit selbstgemachter Mango Marmelade – und danach in die Schule zu fahren. Kilometermäßig keine große Distanz, wegen der schlechten Straßenverhältnisse zog sich das aber doch etwas hin. Nach circa 20 Minuten Fahrt war ich an der Universität angekommen.

Das Unterrichten war definitiv eine besondere Erfahrung. Alle Lerninhalte habe ich eigenständig, mit Unterstützung des Professors der Uni und Lehrmaterialien der TUM, definiert. Ich hatte zwar zuvor schon Tutorien im Rahmen meines Studiums gegeben, aber die Umstände waren andere.

Die Schüler konnten größten Teils sehr schlecht bis gar kein Englisch verstehen – genauso war es auch mit den Lehrern. Obwohl die Uni es vorsieht, 90 % aller Kurse auf Englisch zu unterrichten, ist das Niveau anfangs relativ niedrig gewesen.

Die Landessprache ist nun mal Französisch und der Bildungsstatus ein anderer als in Deutschland. Es war zwar zu Beginn sehr anstrengend, aber ich lernte schnell, mit Geduld und Durchhaltevermögen die Aufgaben zu meistern – dies kann auch im Beratungswesen nie schaden.

Die Zeit in Burkina war extrem aufschlussreich und half mir dabei, meine Gedanken zu sortieren und mich auf den nächsten Schritt in meinem Leben vorzubereiten. Die vielen Stunden der Einsamkeit – ohne Strom und Internet – zwingen einen dazu, sich mit sich auseinanderzusetzen und zu reflektieren, was in der heutigen Zeit oft zu kurz kommt.

Eine derartige Auszeit war der perfekte Ausgleich zum Studium und dem Beratungsalltag. Es brachte mich auf persönlicher und akademischer Ebene einen großen Schritt nach vorne. Es war definitiv die richtige Entscheidung, mich dieser Herausforderung zu stellen. Ich bin der TUM und auch Stern Stewart sehr dankbar, dass ich die Burkinabé-Kultur kennenlernen durfte.

Wie der Direktor bei meiner Ankunft vorhergesagt hat – hatte ich tatsächlich Schwierigkeiten, all dies hinter mir zu lassen. Nicht nur die Schönheit des Landes, sondern sogar vordergründig die Schönheit der Menschen vermisse ich am meisten.

Mein Vorsatz ist es, die dort gewonnenen Positivität nach Deutschland mitzunehmen und den Leuten hier vorzuleben, was Burkina Faso mich gelehrt hat: Die schönen Dinge im Leben ausreichend zu schätzen und jeden Tag in vollen Zügen zu genießen.

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