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Design your Career: Welcher Job passt zu mir?

Ines Bruckschen
Inhaltsverzeichnis

Nach der Studienwahl ist vor der Berufswahl. Natürlich kannst du erst mal loslegen und schauen, welche Jobs sich ergeben. Du kannst aber auch strategisch an die Planung deiner Karriere herangehen. Hier erfährst du, wie du mit einer Matrix konkrete Ideen entwickeln und schon im Studium testen kannst. Das spart Zeit und Geld – und sichert oft schon den ersten Arbeitsvertrag.

Arbeitsmarkt-Experten sind sich einig: Wir werden in Zukunft stärker projektbezogen arbeiten als früher und häufiger den Job und Arbeit- oder Auftraggeber wechseln.

Das schafft zwar weniger Planungssicherheit für uns alle, bringt aber auch die Chance auf mehr Abwechslung mit sich, weil wir dabei unsere Stärken und Wünsche besser ausleben können. Immer vorausgesetzt, wir sind uns dessen bewusst.

Wie du den passenden Job für dich findest

Für die eigene Job-Findung hat sich die Arbeit mit einer heuristischen Matrix bewährt. Klingt kompliziert? Ist es nicht. Unter Heuristik verstehen wir heute ein analytisches Vorgehen, bei dem wir mit begrenztem Wissen in begrenzter Zeit hilfreiche Schlussfolgerungen über ein System ziehen können. Das System, das sind in diesem Fall du und dein (künftiger) Beruf.

Neugierig geworden? Dann legen wir los um deinen Berufswunsch zu identifizieren! Schnapp dir ein Post-it-Blöckchen und einen dicken Stift und stell dir der Reihe nach folgende Fragen:

1. Was mache ich wirklich gerne?

Notiere dir jede Lieblingstätigkeit auf einem extra Post-it und klebe diese am besten in einer Spalte an ein Fenster, eine Tür oder einen Schrank. Hilfreich sind dabei vertiefende Rückfragen, wobei deine Antworten ruhig auch aus dem privaten Bereich kommen sollten:

  • Zu was muss man mich niemals überreden?
  • Welche Arbeiten nehme ich immer als erstes in Angriff, weil sie mir leicht fallen?
  • Wobei vergesse ich gerne mal die Zeit?
  • Was habe ich früher so gerne gemacht, wofür mir heute die Zeit fehlt?
  • Was würde ich gerne unbedingt in meinem Leben noch machen wollen?

2. Was kann ich richtig gut?

Unsere Stärken sollten wir heute jederzeit benennen können, sei es in Vorstellungsrunden, Bewerbungsgesprächen, aber auch wenn wir Profile für uns anlegen. Wenn du dir noch nicht so sicher bist, hilft es dir vielleicht folgende Fragen zu stellen (Antworten auf Post-its bitte in eine neue Spalte neben die erste kleben):

  • Bei welchen Themen fragen mich andere um Rat oder bitten um Unterstützung?
  • Was würde jemand über mich sagen, der mich sehr schätzt?
  • Was ist mir bisher gut gelungen? Welche Stärken kamen da zum Tragen?
  • In welchen Fächern hatte ich die besten Noten? Für welche Stärken spricht das?

Wenn du noch weitere Inspiration suchst oder einfach mal eine Auswertung über dich lesen möchtest, mach einfach einen kostenlosen Persönlichkeitstest, zum Beispiel unter www.123test.de. Die Ergebnisse werden dir dabei helfen unter verschiedenen Berufen, den für dich passenden zu finden.

3. Was interessiert mich besonders?

Wenn uns ein Thema fesselt, dann können wir deutlich länger, intensiver und meist auch erfolgreicher daran arbeiten. Dann sind wir sogar bereit, auch mal eine Kröte in Form einer nicht ganz so geliebten Aufgabe zu schlucken. Um deinen echten Interessen auf die Spur zu kommen, stell dir die folgende Fragen und halte die Antworten in einer dritten Spalte fest:
  • Was wollte ich immer schon mal ausprobieren oder lernen?
  • Welche Menschen imponieren mir? Was tun sie und was gefällt mir daran?
  • Welche News-Rubrik schaue ich mir immer als erstes an? Was lese/sehe ich gerne?
  • Welche Zukunftsthemen finde ich wichtig (Inspiration auf www.zukunftsinstitut.de/dossier/megatrends)?

4. In welchen Bereichen hast du bereits Kenntnisse oder Erfahrungen?

Auch wenn die ersten Nebenjobs und Praktika, die wir schon als Schülerinnen oder Schülern machen können, noch nicht den künftigen Traumjob offenbaren, so liefern sie doch wichtige Einblicke zu einem bestimmten Beruf. Etwa ob man Kundengespräche mag oder lieber konzentriert an komplexen Aufgaben sitzt. Oder welche Entwicklungsmöglichkeiten in einer Branche stecken. Liste dir jetzt in einer vierten Spalte deine Erfahrungen auf, die du gesammelt hast. Fragen dich dazu:

  • Welche Branchen habe ich kennengelernt?
  • Welche Tätigkeiten konnte ich beobachten oder ausführen?
  • Über welche Berufsfelder weiß ich schon viel, weil Familie oder Freunde immer darüber berichten?
  • Aber auch: Welche Branche(n) würde ich wahnsinnig gerne mal kennenlernen?

5. Was ist mir wichtig?

Wenn Ziel und Umgebung mit dem übereinstimmen, was uns wichtig ist, dann fällt es uns deutlich leichter uns zu fokussieren. Aber auch mal schwierigere Phasen durchzustehen. Was dir im Zusammenhang mit deinem passenden Beruf wirklich wichtig ist, kommt in eine fünfte Spalte:

  • Möchte ich später mal Einfluss ausüben und anderen die Richtung vorgeben?
  • Oder geht mir Freiheit und Unabhängigkeit über alles?
  • Treibt mich die Neugier auf immer neues Wissen an oder bin ich eher Praktiker?
  • Sind mir viele soziale Kontakte wichtig? Oder lieber wenige, dafür sehr gute?
  • Möchte ich gerne die Welt zu einem besseren Ort machen?
  • Liebe ich den Wettkampf, also das Gefühl, der oder die Beste in etwas zu sein?
  • Wünsche ich mir viel Sicherheit im Leben? Oder ist Abwechslung wichtiger?
  • Reizt mich die Vorstellung, später mehr Geld und einen höheren Status zu haben als andere?
  • Ist mir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Zeit für mich selbst wichtig?
  • Wünsche ich mir viel Aktivität oder mehr Ruhe?

Vielleicht ist dir in jeder Spalte auch noch etwas ganz anderes eingefallen, was in den Fragen nicht bedacht wurde – wunderbar! Hier soll alles seinen Platz finden.

Nächster Schritt: Fokus finden

Damit du dich nicht verzettelst, muss jetzt allerdings wieder reduziert werden. Überlege dir: Welche fünf Antworten aus jeder Spalte ist dir am wichtigsten für deine künftige berufliche Ausrichtung?

Lasse dir Zeit bei der Auswahl, aber entscheide dich – es ist ja nur für den Moment. Zettel, die du heute weglegst, kannst du später jederzeit wieder dazu holen. Am Ende sollte eine Post-it-Tabelle wie die folgende an deiner Wand oder deinem Fenster kleben – das ist jetzt deine heuristische Matrix:

Lieblingstätigkeiten
Stärken
Interessen
Erfahrungen
Wichtig!
Trainieren
Komplexe Inhalte verständlich machen
Biathlon
Doktorandenbetreuung
Unabhängigkeit
Konzepte schreiben
Strukturieren
Tiny Houses (Downshifting)
Kundenbetreuung
Finanzielle Sicherheit
Rätsel lösen
Moderieren
New Work
Digitales Dialogmarketing
Von Expert:innen lernen
Kochen
Motivieren
Nachhaltigkeit
Werbung / PR
Persönliche Weiterentwicklung
Mit Freunden grillen
Kommunikativ
Digitale Transformation – Folgen für Menschen
Social Media Marketing
Wertschätzung

Ideen entwickeln: Was könnte ich alles machen?

The best way to have a good idea is to have lots of ideas“, hat Linus Pauling gesagt, ein US-amerikanischer Chemiker, der für seine Arbeit mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Sein Spruch gilt auch für die Berufsfindung. Anstatt auf Gelegenheiten zu warten, nur nur auf Stellenangebote zu reagieren oder gar dich bei der Agentur für Arbeit zu melden, überlege dir lieber proaktiv, was du alles machen kannst – um daraus dann eine oder zwei gute Ideen weiterzuverfolgen.

Für die Arbeit mit der heuristischen Matrix schaue dir Zeile für Zeile an: Welche Job-Ideen fallen dir ein, wenn du die Stichworte aus Zeile 1 siehst? Schreiben sie auf und klebe sie daneben.

Achtung: Es müssen nicht alle Stichworte in der Job-Option vorkommen, notiere dir einfach alles, was dir einfällt. Das könnte am Ende so aussehen:

Job-Ideen
Azubis bei Sportausrüster betreuen
Trainingskonzepte für Firmen entwickeln
Freiberuflicher Trainer + Seminarleiter
Kundenberater bei Bauunternehmen
Start-up gründen: Vermittlung von Tiny Houses
Marketing-Referent in KMU in ländlicher Region
Marketing-Workshops moderieren
Konflikte moderieren
Mediator
Messe-Events moderieren
Marketing in „grünem“ Unternehmen
Changemanager in Konzern
Coach für mehr Nachhaltigkeit
Marketing in Food-Unternehmen
PR bei Weber-Grill
Kontakter in Werbeagentur
Berater PR-Agentur, spezialisiert auf New Work
BGM- und Resilienz-Berater

Versuche mindestens 10 interessante Optionen zu finden. Schicke dafür deine inneren Kritiker in die Pause und spinnen einfach ein bisschen herum – was könnte Spaß machen oder interessant sein? Manchmal führt gerade eine naive oder vermeintlich verrückte Idee zu einer richtig guten.

Wenn du fertig bist, schaue in Ruhe noch einmal drauf. Welche Optionen findest du besonders attraktiv? Welche weniger?

Sprich schließlich mit Menschen darüber, die dir wohlgesonnen sind. Welche Ideen haben sie noch zusätzlich? Ergänzen deine Sammlung und lasse sie eine Weile in Sichtweite hängen. Immer, wenn du eine weitere Idee hast, fülle sie auf. So begleiten dich die Gedanken über den richtigen Job und arbeiten in deinem Unterbewusstsein weiter.

Ideen testen: Will ich das wirklich machen?

Sich eine Arbeit vorzustellen und sie wirklich auszuüben können zwei sehr unterschiedliche Dinge sein. Deshalb solltest du möglichst bald testen, ob deine Lieblingsidee auch tatsächlich realistisch einschätzen. Eine der besten Möglichkeiten ist ein strukturiertes Interview mit jemandem zu führen, der in diesem Feld arbeitet.

Frage ihn oder sie, wie sie in diesen Job kamen, was ihnen daran besonders gut gefällt und was weniger, wie ihr Arbeitsalltag konkret aussieht, welche Herausforderungen sie in Zukunft für diesen Job sehen und was sie jungen Menschen raten, die diese Richtung einschlagen möchten.

Ansonsten bieten sich natürlich auch alle bekannten Methoden an, um sich einen Job zu erschließen: Praktika, Shadowings, Mentoring, Beratung durch die Bundesagentur für Arbeit, Lektüre, Messen … Wichtig ist, möglichst bald ins Tun und Ausprobieren zu kommen.

Und wie geht’s weiter?

Diese Methode funktioniert in Schleifen. Das heißt, immer dann, wenn eine neue Entscheidung ansteht oder ein bisschen die Luft bei dir raus ist, fängst du wieder von vorne an beziehungsweise prüfst deine Matrix, ob du heute manches ändern würden. . Wir garantieren dir: Bei jeder Schleife wird der Prozess schneller laufen und dir wieder ein paar neue Erkenntnisse schenken!

Literatur:
  • Burnett, Bill / Evans, Dave (2017): Mach, was Du willst – Design Thinking fürs Leben, Econ Verlag
  • Kötter, Robert / Kursawe, Marius (2015): Design your Life – Dein ganz persönlicher Workshop für Leben und Traumjob, campus Verlag
  • Lewrick, Michael / Thommen, Jean-Paul (2019): Design your Future Playbook, Vahlen Verlag
  • Nohl, Martina (2017): Design your Job – Dein Kritzelbuch zur beruflichen Neuorientierung, Books on Demand
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